Ich war dann mal weg.

Lange ist es her. Sehr lange, vielleicht auch zu lange ist es her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Meine Gedanken zu Papier gebracht und veröffentlicht habe, was mich in diesem Moment beschäftige. Also zu Papier gebracht habe ich weiterhin vieles, denn wie soll ich mir die vielen tausend guten Gedanken merken, mit denen ich täglich begossen werde, ohne sie aufzuschreiben? Aber veröffentlicht habe ich nichts mehr.
Warum denn eigentlich nicht? Eine Frage, auf die ich keine einfache Antwort geben kann. Vielleicht, weil das Leben mich überholt hatte und ich mich selbst darin erstmal wiederfinden musste. Erstmal neu gucken, wer ich eigentlich nochmal bin, was ich mache und was mir wichtig ist. Vielleicht war ich auch ein bisschen überfordert. Überfordert mit Neuanfängen, Umstrukturierungen und anderem. Und so habe ich manches endlos vor mir hergeschoben. Ich weiß nicht, wie oft ein neuer Blogbeitrag auf der meiner To Do-Liste stand und irgendwann doch wieder gestrichen wurde, ohne dass ich ihn geschrieben hatte. Vielleicht passte es einfach nicht.

Vielleicht brauchte ich eine Pause. Eine Pause zum Luft holen, tief durchatmen und in die Ferne schauen. Mich nicht verpflichtet fühlen, sondern einfach mal zu sein. Nicht jeden Punkt auf den ominösen Listen erfüllen, die immer wieder die eigene Perfektion vorraaussetzen. Vielleicht habe ich auch etwas draus gelernt. Dinge zu tun, weil ich sie liebe und nicht weil ich mich verpflichtet fühle, weil sie auf irgendeiner Liste stehen. Möglich.

Jetzt starte ich von Neuem durch. Wirklich. Und ich glaube, dieses Mal habe ich mir realistischere Ziele gesetzt. Aber auf jeden Fall hängt mein Herz da wieder mehr dran. Ich will wieder schreiben und erzählen und mir Gedanken machen und in die Tiefe leben. Und du darfst ein Teil davon sein, wenn du das möchtest – wenn nicht, auch egal. Ich tu’s trotzdem. Denn das Leben ist voller Neuanfänge. Warum es also nicht wagen und einfach mal ausprobieren?

Von zerbrochenen Felsen.

Ein Felsen ist stark. Er liegt inmitten einer rauen Landschaft, der Wind tobt um ihn her, Stürme ziehen vorüber – und er bewegt sich nicht. Ein Felsen steht fest. Er rührt sich keinen Millimeter, egal was passiert.
Aber ein Fels ist auch hart, er ist tot. Aus ihm wächst kein neues Leben, kein grünes Pflänzchen, kein zarter Baum. Es gibt nichts, was den Weg aus dem Innersten des Felsens an die Oberfläche finden kann, weil sie undurchdringbar ist. Hart und rau geworden durch die vielen Stürme, die schon an ihm vorübergezogen sind.
Ein Fels liegt ruhig in der Landschaft, aber er wird niemals daran beteiligt sein, etwas Neues hervorzubringen.

Es gibt viele Momente, in denen ich ein Fels sein möchte. Stark und unerschütterlich. Die Stürme des Lebens einfach ertragen können möchte, ohne von ihnen zu Boden geworfen zu werden. Mein Anspruch an mich selbst ist hoch – und ich scheiter regelmäßig an ihm. Es gibt viele Momente, in denen ich feststelle, dass ich kein Fels bin. Und niemals einer sein werde. Ich bin nicht stark und schon gar nicht unerschütterlich. Es gibt viele Momente, die mir den Wind aus den Segeln nehmen und viele Stürme, die mich umhauen. Und in diesen Momenten entsteht ein Riss in dem Idealbild des Felsens. Zu Beginn ist er nur ganz klein, aber mit der Zeit wird er immer größer und tiefer. Plötzlich ist der Fels nicht mehr ganz so stark, nicht mehr ganz so unerschütterlich, nicht mehr ganz so hart. Etwas in dem Felsen ist zerbrochen, sodass ein Riss entstehen konnte, der mit der Zeit immer tiefer geht.
Aber was bewirkt dieser Riss? Der Fels ist verwundbar geworden – aber gleichzeitig ist noch etwas ganz anderes passiert. Denn er ist fruchtbar geworden, denn auf einmal kann neues Leben in ihm entstehen. Der Zerbruch seiner harten Gesteinssicht sorgt dafür, dass ein kleines, zartes Leben seinen Weg aus dem Innersten an die Oberfläche finden und wachsen kann. Der Zerbruch fügt dem Felsen eine tiefe Wunde zu, aber er ebnet ihm auch den Weg zur Fruchtbarkeit – denn ohne den Riss gäbe es kein Leben in ihm.

Es gibt viele Momente, in denen ich ein Fels sein möchte – und feststelle, dass ich nie einer sein werde. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht. Weil erst ein Riss dazu führt, dass etwas Neues entstehen kann. Und was wäre es wert, wenn ich zwar stark, hart und unerschütterlich wäre, aber nie etwas Neues hervorbringen könnte? Nichts.
Und in diesen Momenten stelle ich fest, dass es etwas gibt, was mehr fasziniert, als starke Felsen – nämlich zerbrochene Felsen.

Hoffe auf das Wunder.

>Hoffe auf das Wunder, das du nicht sehen kannst,
hoffe auf das Wunder, das du nicht spüren kannst,
ja an das du vielleicht noch nicht einmal glauben kannst.
Weil ich für dich mit glaube, weil ich es schon sehen kann,
weil ich es spüren kann – und das reicht für uns beide.

Dein Leben ist ein Wunder und deine Geschichte
wird noch ein viel größeres sein, also hab Mut. Vertrauen. Hoffnung.
Und verliere sie nicht in dunklen Tälern und schlimmen Zeiten,
weil auch diese dem Wunder vorausgehen müssen.
Genauso wie Dankbarkeit – denn mit Dankbarkeit
wird alles ein bisschen leichter, das Tal ein bisschen heller.
Denn Dankbarkeit lässt dich das Schöne sehen und nicht nur das Schwierige.

Du bist ein Wunder und dein Leben wird immer voller Wunder sein!
Manche so groß, dass du sie kaum fassen kannst und andere so klein,
dass du sie kaum sehen kannst.
Aber das Schöne ist, dass nicht die Größe darüber entscheidet,
ob es sich um ein Wunder handelt, sondern ich –
und ich bin schon bereit, das nächste Wunder für dich vorzubereiten. <

„Dank ist das Einzige, um das Gott uns immer bittet,
weil er weiß, dass Dank dem Wunder vorausgeht.“
                                Ann Voskamp

 

Habe ich das verdient?

Mal angenommen, ich bin auf Gottes Weg unterwegs, ohne Wenn und Aber. Ich bin bereit, jeden Schritt zu tun, den Gott mir zeigt und durch jede Tür zu gehen, die er mir öfffnet. Und es ist okay, wenn es nicht immer einfach ist, ich bin bereit, mich auch ab und zu mal durchzukämpfen. Aber kann ich dann nicht erwarten, dass es einigermaßen glatt laufen wird? Dass Gott mich segnet? Dass mir auf diesem Weg Gutes widerfahren wird?
Und warum, bitte, ist das nicht so? Warum läuft nicht alles glatt, sondern ziemlich verkehrt? Warum ist dieser Weg alles andere als leicht, schön oder gut? Kümmert es Gott nicht, dass ich auf seinem Weg unterwegs bin und es mir damit schlecht geht, es alles andere als leicht ist?

 Vor ein paar Jahren hatte ich den Eindruck, dass Gott mir eine Tür öffnet und einen Weg zeigt, den ich gehen soll. Ich war überrascht, aber ich habe ja gesagt. Aus voller Überzeugung, weil ich mir sicher war, dass er es gut mit mir meint. Dass er mein Bestes will. Und das sein Weg für mich definitiv der richtige ist.
Seit diesem Moment sind viele Wochen und Monate ins Land gezogen. Die ersten Wochen und Monate waren gefüllt mit Segen, Bestätigung und schönen Momenten. Und dann begannen die harten Zeiten, in denen es alles andere als glatt lief. In denen ich die Welt und Gott nicht mehr verstand.
Mittlerweile verstehe ich gar nichts mehr und habe keine Ahnung, welchen Plan Gott gerade mit mir verfolgt und wo wir am Ende rauskommen werden. Es ist ein großes Rätsel.
Aber wie kann es sein, dass mein mich liebender Vater so etwas zulässt? Müsste es auf Gottes Wegen nicht leichter sein?

Tausend Fragen in meinem Kopf, auf die es keine einfache Antwort gibt. Aber wenn ich heute Morgen eine Sache gelernt habe, dann ist es, dass es nicht Gottes Hauptaufgabe ist, mich glücklich zu machen. Auch wenn ich diese Erwartung vielleicht unterbewusst an ihn gestellt habe, als ich sagte, ich wäre bereit, ihm mein ganzes Leben zu überlassen. Nein, es muss nicht alles einfach sein, alles glatt laufen und Gottes Segen zu jeder Zeit spürbar sein. Es ist okay, dass es mir manchmal auch schlecht damit geht und dass ich durch dunkle Täler und harte Zeiten gehen muss. Denn Gott hat mir nie versprochen, dass alles glatt laufen wird. Er hat mir nur versprochen, dass mir letzten Endes alles zum Besten dienen wird – aber das Ende, das kennt nur er.
Und wenn ich Gott sage, dass ich bereit bin, seinen Weg kompromisslos zu gehen, dann muss sich das nicht unbedingt lohnen. Dann mache ich das nicht, um als Gegenleistung etwas von Gott zu bekommen. Sondern einzig und alleine, weil ich meinen Vater im Himmel liebe und weil ich ihm vertraue, dass er es gut mit mir meint. Was auch immer das konkret für mein Leben bedeutet…

Habe ich es verdient? Habe ich es verdient, dass Gott mich glücklich macht, wenn ich auf seinen Wegen gehe? Nein. Denn ich lebe nicht mit ihm, damit er mich dafür beschenkt, sondern weil ich ihm begegnet bin. Weil ich ihn liebe und weil ich nicht ohne ihn leben will. Das muss sich nicht lohnen. Es muss auch nicht alles einfach sein. Und trotzdem werde ich nicht aufgeben, weil ich weiß, dass Gott treu ist und seine Liebe größer ist als alles andere.

Die Revolution der Gedankenmuster.

Ich bin eine Meisterin der Traumwelt. Ehrlich. Wenn ich gerade nicht in der Realität anzufinden bin, dann bin ich weit, weit weg. In einer anderen Welt, in der ich Menschen treffe, Gespräche führe, ein Leben lebe, dass es in der Wirklichkeit niemals geben würde. Dort könnte ich Stunden verbringen und mir die tollsten Szenen ausmalen. Vielleicht hätte die eine oder andere sogar einen Oscar verdient. Und ich glaube, ich bin nicht alleine damit.

Auf den ersten Blick mag das vielleicht normal, sein möglicherweise katergorisiert das auch eine bestimmte Art Mensch, die dann als „Die Verträumten“ oder „Die Tagträumer“ oder was auch immer gelten. Es sind die, die in ihrer blühenden Fantasie in einer schöneren Welt leben und so vielleicht auch Schmerzen, Schwierigkeiten und Probleme verdrängen. Denn in dieser anderen Welt ist alles schöner. Keine Konflikte, keine Wunden, keine Tränen. Diese Welt ist bunt, farbenfroh, perfekt – und vermutlich gerade deshalb so besonders einladend.

Aber auf den zweiten Blick fällt auf, dass diese Welt einen Nachgeschmack hinterlässt, denn sie ist eben doch nicht perfekt. Es ist die Welt des Konjunktivs – wenn, hätte, würde, könnte. Es sind Träume, weit entfernt von der Wirklichkeit. Unerreichbar, unwahrscheinlich und unberechenbar. Denn sie können einen gefangen nehmen, vom Leben abhalten, an diese schönere Welt fesseln, die es doch niemals geben wird.

Nein, ich möchte keine Meisterin der Traumwelt sein. Aber das ist mein größtes Problem. Immer wieder lande ich dort, ob ich will oder nicht, und male mir Dinge aus, die nie passieren werden. Ja, meine Gedanken reisen. Weit. Jeden Tag. Zu anderen Menschen, Situationen, Orten. Eigentlich müsste ich sie aufhalten, aber ich kann nicht. Oder ich will nicht. Besser gesagt: ich habe es nie versucht. Weil es Kraft kostet und Anstrengung, Selbstüberwindung und ich der Realität ins Auge sehen muss.
Und doch merke ich – ich muss es versuchen und ich will es versuchen. Damit ich nicht von meiner Fantasie betrogen werde, an meinem Leben vorbeilaufe, dem Konjunktiv nachrenne und dabei doch nie das Ziel erreiche.

Ich will das wahre Leben leben und nicht in einer Welt, die nur in meinem Kopf existiert. Ich will die Kontrolle über meine Gedanken haben und mich nicht von ihnen kontrollieren lassen. Ich glaube, es wird ein langer Weg und ein steiniger Weg, aber ein Weg, der sich lohnt. Denn du bist da, wo deine Gedanken sind. Sieh zu, dass deine Gedanken da sind, wo du sein möchtest – das hat schon der Rabbi Nachman von Bratzlaw gesagt.
Aus irgendeinem Grund hat Gott schon dieses Leben für mich ausgewählt. Und nicht das Leben, dass ich mir in meinem Kopf so oft ausmale.